Antoine de la Baume Pluvinel

über das Leben von Antoine de la Pluvinel dem Reitlehrer Ludwig XIII

Wer heute am Place des Pyramides in Paris steht sieht das vergoldete Reiterstandbild von Jean d’Arc.
Was die meisten Besucher nicht wissen, ist das an dieser Stelle ein wichtiger Vertreter der französischen Reitkunst, nämlich Antoine de la Baume Pluvinel im Jahre 1594 die seine Reitschule, die Academie d’Equitation eröffnete.
Antoine de la Baume Pluvinel, errichtete eine Institution, in der wie zu dieser Zeit üblich nicht ausschließlich das Fach Reiten auf dem Lehrplan stand. Neben der hohen Kunst der Reiterei wurden die jungen Adeligen darüber hinaus im Tanz und Benehmen unterrichtet. So wurde ihnen zum Beispiel gelehrt wie man sich stilsicher kleidete. Der Unterricht hatte somit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Aristokratie des späten 16ten Jahrhunderts, bis in das 17te Jahrhundert hinein.
Einer der berüchtigtsten Schüler dieses Instituts war Cardinal de Richilieu, der vor allem aus den Musketier-Erzählungen von Alexandre Dumas weit über Frankreich hinaus bekannt geworden ist.
Ein weiterer Schüler ist der junge William Cavendish, bekannter unter dem Namen Newcastle, welcher selbst in späteren Jahren die Reitwelt mit einem Buch beeinflussen wird.
Pluvinel selbst wird aber vor allem durch die Ausbildung des Dauphins des französischen Throns bekannt, dem späteren Ludwig XIII, berühmt. Dessen Reitausbildung ist Thema von Pluvinels Buch „Manège Royal”

Die Methode wie Pluvinel Pferde und Reiter ausgebildet wissen will wird in seinem Werk “Manège Royal – L’Instruction du Roy en l’exercice de monter à cheval” in einzigartiger Weise erzählt.
Das Werk erscheint 1623 zu einem Zeitpunkt zu dem Pluvinel bereits 3 Jahre verstorben. Ein flämischer Verleger bringt das Werk mit den beeindruckenden Kupferstichen von
Crispyn II. de Passe (1597-1670) heraus und es wird zu einem der wichtigsten Bücher über die Reitkunst im 17ten Jahrhundert.

Das Buch ist in einer Dialogform geschrieben und beschreibt das Gespräch zwischen dem jungen Königssohn und seinem Reitausbilder. Neben diesen beiden Protagonisten kommen noch einige weitere Adelige zu Wort. Neben der Grundausbildung von Pferd und Reiter geht es auch um die angewandte Reitkunst bei ritterlichen Übungen, wie dem Ringreiten oder dem Tjost – dem Lanzenstechen.

Ein wichtiges Element der Ausbildung ist die Verwendung der Pilaren, deren Erfindung Pluvinel zugeschrieben wird. Da die Pilaren aber in der späteren Reitgeschichte eher zu einem wahren Folterinstrument der Pferdeausbildung werden, wurde auch das Werk Pluvinels oft falsch gedeutet.
Denn vor allem der pädagogische und gewaltfreie Ausbildungsansatz Pluvinels machen den Reitlehrer zum wichtigsten Vertreter der „gewaltfreien” Lehrmethode, in einer Zeit in der vor allem die italienische und französische Reitausbildung nicht gerade zimperlich mit Reiter und schon gar nicht mit dem Ross umgeht.

Viele Lehrsätze Pluvinels sind zeitlos und können auch heute noch den „denkenden” Reiter auf den richtigen Weg führen:

„Das Pferd muss selber Freude an der Reitbahn haben, sonst wird dem Reiter nichts mit Anmut gelingen.”

„Wir sollten besorgt sein, das Pferd nicht zu verdrießen und seine natürliche Anmut zu erhalten, sie gleicht dem Blütenduft der Früchte, der niemals wiederkehrt, wenn er einmal verflogen ist.”

Schauen wir kurz zurück auf den Werdegang eines der wichtigsten Reitmeisters der französischen Reitkunst.

Antoine de la Baume Pluvinel wird 1555 in Crest geboren.
Seine reiterliche Ausbildung erfährt Pluvinel in Italien irgendwann zwischen dem 10ten und 17ten Lebensjahr (es gibt leider keine eindeutigen Quellen). Italien war zu dieser Zeit die Hochburg der Reitkunst und einer der berühmtesten ist Giovanni Battista Pignatelli. In den Jahren 1571 bis 1572 wird Pluvinel von ihm ausgebildet. Pignatelli ist einer der wenigen Reitmeister welcher selbst kein Buch geschrieben hat. Neben Pluvinel wird auch Salomon de la Broue in seiner Akademie ausgebildet.
Anschließend zieht es Antoine de Pluvinel zurück nach Frankreich und wird noch eine Zeit lang von M. de Sourdis ausgebildet. Bereits jetzt wird Pluvinel am Hofe einflussreicher Ausbilder und unterrichtet als Premier Ecuyer den Duc d’Anjou der als Henryk Walezy König von Polen-Litauen regierte und ab 1574 bis zu seinem Tod 1589 als Henri III König von Frankreich und letzter König aus dem Haus Valois wurde.
Im Alter von 39 Jahre eröffnet er wie bereits beschrieben die Academie d’Equitation in Paris in unmittelbarer Nähe zum Louvre.

Pluvinel stirbt am 24. August 1620 im Alter von 65 Jahren ohne einen männlichen Nachkommen zu hinterlassen.

 

Quellen: “Ueber die Geschichte und die verschiedenen Formen der Reitkunst” von Burchard von Oettingen, reitlehre.de, wikipedia

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