Abkau- und Biegeübungen richtig anwenden

Ein paar kleine wichtige Anmerkungen zum Thema Abkau- und Abbiegeübungen:

“Würde man diese Kieferbewegung durchführen indem man erst die Stellung, dann die Entspannung verlangt, fiele man dem Irrtum anheim, den Pferdehals aufzuweichen, ihn falsch zu platzieren, würde völlig jenen recht geben, welche den Gebrauch dieser Bewegungen gering schätzen”

(Nuno Oliveira)

In letzter Zeit wird viel über die Biege- und Abkauübungen (Flexionen) nach Baucher gesprochen – leider wird die korrekte Durchführung oft nicht gelehrt und gezeigt.

Diese Übungen sind kein Selbstzweck und es reicht nicht den Kopf einmal nach links, einmal nach rechts und dann nach oben “zu bringen” – viele Pferde machen das oft nach kurzer Zeit brav mit – nehmen eventuell sogar die “Richtung” schon vorweg. Andere wiederum wehren sich und werden dann fälschlicherweise in die Richtung mit Kraft gezwungen.

Jegliche Bewegung des Kopfes ohne Nachgiebigkeit (lockeren) Kiefer, mit Widerstand, sind wertlos und können unterlassen werden. Jegliche vorweg genommene Bewegung von Kopf und Hals durch das Pferd – sind falsch verstandene Gymnastik – und andressierte Bewegung – keine Flexion des Kiefers, Hals und Genick.

Verwirft das Pferd den Kopf – will heissen, die Ohren sind nicht auf gleicher Höhe – kann die Übung bereits abgebrochen werden und muss ggf. von neuem gestartet – oder eine entsprechende andere Flexion zur Lösung des Problems eingesetzt werden.

Jeder Grad der Bewegung muss durch ein lockeres Nachgeben des Kiefers (dazu muss das Pferd das Maul nicht öffnen) begleitet werden. Der Reiter muss das Gefühl haben die Bewegung millimeterweise zulassen zu können und auch anhalten zu können. Die Einwirkung auf das Gebiss und die Zügel muss wie das spielen eines Instruments sein – Zügel und Gebiss sind keine Griffe um Kopf und Hals irgendwie in eine Richtung zu bringen.

Für Pferd und Reiter ist die Übung unter hoher Konzentration durchzuführen.

So kann es auch sein, dass die Arbeit am Anfang “Millimeter-Arbeit” ist – > einmal von Reiter und dann von Pferd verstanden, ist sie aber oft “the missing” link und ebnet erst den Weg zu feiner Hand und einem Pferd im Gleichgewicht

Das Problem des beweglichen oder unbeweglichen Unterkiefers ist irrelevant, denn das ist von Pferd zu Pferd verschieden. Alles was zählt ist die Abwesenheit von Widerständen.

(Nuno Oliveira)

“Werden die Flexionsübungen in der Arbeit an der Hand unzulänglich ausgeführt, so bringen sie nicht nur kein zufriedenstellendes Ergebnis, sondern sie verleiten das Pferd eher zum Widerstand als zum Nachgeben. Das Nachgeben aber ist das eigentliche Grundelement der Erziehung des Pferdes. Nachgiebigkeits- und Biegeübungen, die schon leichtfallen allzu lange andauern zu lassen, birgt seinerseits auch Gefahren: Anstatt den Hals geschmeidig zu machen, macht ein solches Vorgehen ihn lose, es trennt die Verbindung zwischen Körper und Hals. Der Hals muss, ganz im Gegenteil, sozusagen ein integraler Teil des Körpers, solide mit diesem verbunden sein und bleiben, sodass eine geringfügige Stellungsveränderung des Kopfes Einfluss auf den gesamten Körper des Pferdes hat und unverzüglich zu all jenen Veränderungen der Position führt, die man jeweils anstrebt.”

(François Baucher)

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