Was sind eigentlich Triggerpunkte beim Pferd – und wie kann Dry Needling helfen?

Verspannungen, Leistungsabfall oder ungeklärte Lahmheiten – oft steckt mehr dahinter als eine „normale“ Muskelverhärtung. Häufig sind Triggerpunkte (kurz TrP) die unsichtbare Ursache. Diese kleinen, punktuellen Veränderungen in der Muskulatur können Schmerzen im ganzen Körper auslösen.
In diesem Artikel erfährst Du, was Triggerpunkte beim Pferd sind, wie sie entstehen und warum Dry Needling eine der effektivsten Methoden ist, um sie zu behandeln.

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Was sind Triggerpunkte?

Der Begriff „Trigger“ stammt aus dem Englischen („Auslöser“) und beschreibt Muskelfasern, in denen eine Entzündungsreaktion vorliegt.
Forschungsergebnisse von Jay Shah (2005) zeigten:

  • Im Bereich eines Triggerpunktes ist der pH-Wert des Gewebes erniedrigt (Übersäuerung)
  • Nach gezielter Behandlung normalisiert sich der pH-Wert und die Entzündungsstoffe nehmen ab

Ein Triggerpunkt ist keine einfache Verspannung,  sondern eine funktionelle Störung innerhalb der Muskelstruktur, die viele nachgelagerte Effekte auslösen kann.

Typische Merkmale:

  • Tastbar als kleiner Knoten oder harter Strang (Hartspann)
  • Schmerz bei Druck, oft mit Ausstrahlung („referred pain“)
  • Einschränkung des Bewegungsumfangs

Wie entstehen Triggerpunkte beim Pferd?

Die Ursachen sind vielfältig:

  • Fehlbelastung (z. B. schlecht sitzender Sattel – 90% der Sättel passen leider nicht)
  • Kompensation nach Verletzungen oder Lahmheiten
  • Unpassende oder einseitige Bewegung
  • Übertraining oder fehlendes Aufwärmen
  • Psychischer Stress
  • Stoffwechsel- oder Hormonprobleme

Einmal entstanden, unterhalten Triggerpunkte den Schmerz – und führen zu Schonhaltungen, die neue Probleme verursachen.

Arten von Triggerpunkten

Aktive Triggerpunkte – schmerzen auch in Ruhe, schränken Bewegung ein
Latente Triggerpunkte – schmerzen nur bei Druck, können aber aktiv werden
Assoziierte Triggerpunkte – verursachen ausstrahlende Schmerzen in entfernten Regionen

Aktive myofasziale Triggerpunkte

(Schmerz bei Bewegung oder in Ruhe)

Diese Triggerpunkte schmerzen nicht nur bei wenig oder keiner Belastung, sie beeinträchtigen auch die normale Muskelfunktion. Die volle Verlängerung des Muskels wird verhindert. Das bedeutet, dass der Bewegungsumfang der Muskulatur und damit der Gelenke limitiert ist.

Latente myofasziale Triggerpunkte

(Schmerz durch Druck)

Beim Palpieren dieser Triggerpunkte, also beim Abtasten und Druck-Ausüben auf die Stelle, entstehen spontane Schmerzen. Latente Triggerpunkte können auch zu aktiven Triggerpunkten werden. Dies geschieht meist, wenn diese nicht therapiert werden und noch weitere strapazierende Faktoren hinzukommen.

Assoziierte myofasziale Triggerpunkte

(Ausstrahlende Schmerzen)

Das Ausüben von Druck auf assoziierte Triggerpunkte kann einen ausstrahlenden Schmerz in andere Regionen auslösen. Diese Reaktion wird auch als „Referred Pain“ bezeichnet. Oftmals liegt der Ursprung des Schmerzes an einem anderen Ort, als die Stelle, an dem wir den Schmerz wahrnehmen. Deshalb ist es wichtig, bei der Therapie den Körper ganzheitlich zu behandeln.

Wie erkennt man Triggerpunkte beim Pferd?

Typische Anzeichen:

  • Muskelzucken (Faszikulation) bei leichtem Druck
  • Abwehrreaktionen (Ohren anlegen, Schweifschlagen)
  • Kauen, Gähnen, Entspannungssignale
  • Asymmetrischer Bewegungsablauf
  • Leistungsminderung ohne klare orthopädische Ursache

Warum Dry Needling so effektiv ist

Dry Needling ist eine gezielte Behandlungstechnik für myofasziale Triggerpunkte. Mit einer dünnen Akunkturnadel wird direkt in den betroffenen Muskelbereich gestochen, um:

  • die Durchblutung zu verbessern
  • Stoffwechselblockaden zu lösen
  • Schmerzreize zu unterbrechen (Gate-Control-Theorie)
  • eine Entspannung der Faszien zu erreichen

Wenn eine Akupunktur Nadel eingestochen wird, beginnt das Fasziengewebe sofort mit der zusätzlichen Bildung von Fibroblasten. Diese bilden kollagene Fasern die sich regelrecht um die Nadel wickeln und erzeugen dann die hier beschriebenen Auffälligkeiten.

Die Fibroblasten, die einige Zentimeter entfernt sind – nicht nur die direkt an der Nadel – dehnen sich aus. Sie reagieren.

Dadurch entspannt sich das Gewebe. Und dabei passiert noch etwas, das uns interessiert: Eine Substanz wird freigesetzt, die man ATP nennt.

ATP ist ein Botenstoff, der möglicherweise mit dem schmerzstillenden Effekt von Akupunktur zu tun hat.

Die Faszien lassen sich nicht nur durch Bewegung und Stretching beeinflussen. Auch Der Stich einer Nadel wie bei der Akupuntkur oder eben DryNeedling kann sich entspannend auf das Gewebe auswirken und offenbar sogar Schmerzen lindern.

Die Gate-Control-Theorie – warum der Stich der Nadel nicht schmerzhaft ist.

Bereits 1965 beschrieben Melzack & Wall, wie gezielte Reize die Schmerzweiterleitung im Rückenmark blockieren können.
Beim Dry Needling werden dicke Nervenfasern stimuliert, die Schmerzsignale hemmen – der Einstich wird daher oft nicht als schmerzhaft empfunden.

auf diesem Bild sieht man das “Arbeiten” der Nadeln – das Fell stellt sich um die Einstichstelle auf

Vorteile von Dry Needling beim Pferd

  • Präzise Behandlung direkt am Schmerzursprung
  • Wirkung oft schon nach einer Sitzung spürbar
  • Nachhaltige Verbesserung der Beweglichkeit
  • Kombinierbar mit Massage, Dehnung, Trainingstherapie

Triggerpunkte sind klein, aber mächtig: Sie können die Beweglichkeit, Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden eines Pferdes massiv beeinflussen.
Mit Dry Needling steht Therapeutinnen und engagierten Pferdebesitzerinnen eine wissenschaftlich fundierte, hochwirksame Methode zur Verfügung, um diese Punkte gezielt zu behandeln.

Wer die Technik fachgerecht erlernen möchte, braucht fundierte Anatomie- und Palpationskenntnisse – und eine strukturierte Ausbildung.

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