Otto de la Croix

“Richtig verstanden, soll allerdings das in voller Fahrt lang gestreckte Rennpferd wie das in der Levade aufs engste zusammengeschobene Schulpferd „losgelassen“ sein, aber das notwendige Korrelat zu dieser höchsten Losgelassenheit ist höchste Anspannung und Tätigkeit sämtlicher Muskeln. Diese Losgelassenheit – die richtige – bedeutet nichts weiter, wie die volle Hingabe der Kräfte an den momentanen Zweck, will jede Unterbrechung des das ganze Pferd von den Hinterbeinen bis zum Zügel durchwogenden Schwungs ausschließen, fordert also zwar auch, daß das Pferd jedes „Gegenstreben“ mit seiner Muskulatur unterläßt, in noch höherem Maße aber, daß kein Teil wegen Steifheit, Ungeschicklichkeit, Mangel an Nachgiebigkeit oder an Spannungsvermögen an der freien Entfaltung seiner naturgemäßen Tätigkeit behindert sei. Sie umfaßt also nicht nur völliges Abspannungsvermögen, sondern in gesteigertem Maße – da dies das Schwierigere ist – die volle Willigkeit und bis zur spielenden Ausführung gesteigerte Fähigkeit einer höchstmöglichen Anspannung und verlangt die Anwendung beider Tätigkeiten bei jeder Leistung. Auch zu der geringsten, z.B. natürlichem Trab, gehört dieser ununterbrochene Wechsel zwischen Anspannen und Abspannen der Muskeln, welcher gleich dem Pendel in der Uhr in der eigenen Regelmäßigkeit die Regelmäßigkeit des Ganges gewährleistet.”
(Otto de la Croix, 1910)

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