Herr Baucher und seine Künste – ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter

Wer sich mit Francois Baucher und seiner Lehre beschäftigt, kommt ja auch zwangsläufig zu seinen Kritikern. Und allen voran seinem größten Kritiker Louis Seeger welcher nicht zuletzt mit seinem Werk “Herr Baucher und seine Künste – ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter” nach langer Suche habe ich den Text auch mal aufgefunden:

http://www.digitale-sammlungen.de/~db/0002/bsb00028939/images/

oder

http://books.google.de/books?id=RtVSAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false

dunter diesen links kann man das Büchlein (ca. 90 Seiten) online lesen und auch als e-book bestellen… Der Text ist sicherlich auch heute nicht uninteressant.

Beim Lesen kam mir der Gedanke, ob man nicht mal eine Aufstellung der niedergeschriebenen Kritiken (positiv als auch negativ) macht… und diese dann entweder bestätigt oder wiederlegt…

 

Denn man muss sagen: Es ist ja schon irgendwie lustig… was der Seeger dem Baucher da vorwirft (Baucher wohlgemerkt in der 1. Phase seiner Lehre). Denn die heutige Realität ist  ja irgendwie umgekehrt.

Man könnte fast alle Passagen Seegers Anklageschrift in eine modernere Schreibe bringen und direkt wieder als “Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter” veröffentlichen. Allerdings diesmal nicht als Anklage gegen den Baucherismus – sondern gegen die Methoden heutiger Reitausbildung in Deutschland.

Seeger klagt an:

  • passartige Gänge – sehen wir bis auf Grandprix Niveau
  • auffällige Sporeneinsätze – dito
  • Knieschluss weil man sonst nicht sitzen kann – kennen wir auch…
  • Piaffen die keine sind – pseudo Piaffen durch vorne halten und hinten treiben
  • Pseudoversammlung – auch das ist zu sehen – und zwar an der Tagesordnung
  • usw.

interessant ist, dass die nähere Beschäftigung mit den Methoden der 2. Manier Bauchers zeigen, dass sie diesen Anklagen nicht mehr standhalten würden, denn Baucher hatte sich weiterentwickelt.

Ich würde meinen die Absichten die Seeger verfolgte, sicherlich edel waren, im Sinne einer “wahren Reitkunst” und angesichts, des aus meiner Sicht noch “experimentierenden” Bauchers der 1. Manier.

Dank dieser Schrift fand der spätere Baucher für Deutschland ja leider gar nicht mehr statt. Denn erst in der 2. Manier seines Schaffens entwickelt sich Baucher zu dem was er wirklich war.

Der massive Sporeneinsatz fiel weitesgehends weg und die Methode “Hand ohne Bein, Bein ohne Hand” – wiederstrebt ja gänzlich einem Klemmen, darüber hinaus lässt ein durch Kieferflexion bearbeitetes Pferd wirklich “jeden” sitzen – auch ohne Knieschluss.

Allerdings denke ich würde Louis Seeger sich im Grabe umdrehen – wenn er sehen würde, dass trotz seiner “Warnungen” die deutschen Reiter heute genau so reiten, wie er es mit seinem kurzen Buch eigentlich zu verhindern versuchte, aber nicht weil die heutigen Reiter nach den Lehren von Francois Baucher arbeiten… sondern, weil ausgerechnet sein Schützling (Steinbrecht) zwar immer wieder proklamiert aber immer weniger verstanden wird… (reite Dein Pferd vorwärts…)

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