Flexibles Taping in der Pferdephysiotherapie

Was ist flexibles Taping?

Kinesiotaping bei Arthrose bei Karpalgelenksarthrose beim Pferd
Kinesiotaping bei Arthrose im Karpalgelenk

Flexibles Taping, Physiotaping, oder auch Kinesiotaping genannt, wurde von einem japanischen Chiropraktiker entwickelt. Er entdeckte, dass man über das Kleben von Tapes mit besonderer Anlage Schmerzen am Bewegungsapparat lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren kann.

Im Hochleistungssport ist das bunte Tape gar nicht mehr wegzudenken. Unlängst konnte man die weitreichende Anwendung von sogenannten kinesiologischen Tapes bei der Olympiade in London 2012 verfolgen. Und auch in der Humanmedizin, sowie in der Physiotherapie beim Menschen, wird das Taping sehr erfolgreich eingesetzt.

Da liegt es natürlich nahe dieses erfolgreiche Konzept auch für die Pferde einzusetzen.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen straffen Tapes, die eher eine Beweglichkeit verhindern, sind die kinesiologischen Tapes elastisch und darauf ausgelegt Bewegung zu ermöglichen, zu unterstützen, bzw. kann man sagen sie sind explizit dafür konzipiert, dass die Wirkung der Tapes erst durch die Bewegung des Patienten ermöglicht wird. Der Grad der Elastizität ist in etwa mit der Elastizität von organischen Materialien, wie etwa der Haut, vergleichbar. Dadurch wird die volle Beweglichkeit des Körpers im Bereich des Tapes gewährleistet, es besteht keinerlei Einschränkung aus physiologischer Sicht.

Wann setzt man das Taping ein?

Die KinesiosTapes können bei Verletzungen, Verspannungen oder Ermüdung der Muskulatur als auch bei neuralgischen Schmerzen und Beschwerden am Knochengerüst eingesetzt werden. Die Gelenke können dabei ohne ruhig gestellt zu werden, stabilisiert werden. Ebenso wird getapet bei Sehnen- und Bänderproblemen sowie bei Stauungen des Lymphabflusses. Durch die Stimulation der Propriozeptoren (hochsensible Stellungsrezeptoren), verschaffen Tapes dem Sportler ein besseres Körpergefühl.*

Wie funktionieren die Kinesiotapes?

Wenn der Körper unter den Tapes arbeitet, wird die Haut durch die Klebestreifen in Wellen bewegt. Das stimuliert das Lymphsystem, die Nervenrezeptoren, die Muskeln und die Faszien. Durch den verbesserten Lymphabfluss und eine bessere Durchblutung können so die Stoffwechselendprodukte schneller abtransportiert werden. Auch die Arbeit der Muskulatur wird optimiert, was viele, im Wettkampf getapte menschliche Athleten, beweisen.*

Hält das Tape denn auch am Fell?

In der Vergangenheit ließ die Haltbarkeit auf dem Fell zu wünschen übrig. Mittlerweile erlaubt die Weiterentwicklung der Materialien allerdings eine sehr gute Haltbarkeit der sogenannten “Anlagen” auf dem Pferdekörper. Daher lässt sich auch nicht jedes Tapematerial verwenden, einige wenige Tapes haben sich bereits für die Verwendung auf dem Pferd als gut einsetzbar erwiesen.

Im Gegensatz zu menschlicher Haut müssen wir allerdings schon Einschränkungen in Kauf nehmen. So macht natürlich eine Anlage der Tapes auf dem Pferd im akuten Fellwechsel wenig Sinn – es sei denn man möchte es zum Epilieren einsetzen.

Dreckiges Fell sollte zunächst natürlich gesäubert werden – bzw. je nach Witterungslage gewaschen (und komplett getrocknet) werden.

Wann darf nicht “getapet” werden?

Auf offene Wunden, akute Hämatome etc. sollte selbstverständlich kein Tape aufgesetzt werden. So wie generell gilt, dass bei akuten Verletzungen, Lahmheiten etc. der behandelnde Tierarzt zuerst mit einbezogen werden muss und die definitive Diagnose zu stellen hat.

Weitere Kontraindikationen sind z.B. offene Frakturen, Fieber

Ein “Pflaster” drauf und alles wird gut?… mal ehrlich reicht das?

Selbstverständlich ist das Physiotaping immer als eine ergänzende Behandlung anzusehen. Jeder Anlage muss eine vollständige Untersuchung des Pferdes vorausgehen, ferner gehen ableitend vom Befund Behandlungen wie Mobilisationen, Dehnungen, physikalische Therapien oder Massagen dem Taping voraus.

Im Gegensatz zu anderen Therapiemassnahmen birgt das Taping aber einen enormen Vorteil: es bleibt 24 Std. am Tag (je nach dem kann das Tape mehrere Tage am Stück auf der Haut verbleiben) – es wird also permanent “weiterbehandelt”.

Eine Behandlung “nur” mittels Taping wird ohne Voruntersuchung und evtl. sinnvollerer vorausgehender Therapiemassnahmen von mir nicht durchgeführt.

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