Historische Bahnfiguren: Die Sarabande

Die Sarabande ist eigentlich außerhalb der Reitkunst als ein kreuzförmiger Talisman, beziehungsweise als ein schon im Mittelalter gebräuchlicher Tanz in Kreuzform, bekannt. Die Sarabande in der Reitkunst wird von mehreren Reitmeistern (z.B. Pluvinel, später auch Guérinière) beschrieben. Meist sprechen sie mit großer Ehrfurcht über diese eindeutig schwierige Figur. Das Pferd geht dabei in taktreinen Courbetten (einem Zweitaktgalopp) zunächst einige Meter vorwärts, dann einige Meter rückwärts, dann einige Meter zur Linken, dann zur Rechten und anschließend rückwärts und wieder vorwärts, um wieder dort anzukommen, wo es die Sarabande begonnen hat.

Pluvinel schreibt wie folgt:

Darnach nahm er ihn fürwarts in Curbetten / dann hintenwarts / bald auf eine Seite / bald auf die andere / hie und da / jetzt macht er ein Curbette zur Seiten / wechselt allzeit in der Lufft / dann fiel er wiederum auf die andere / und das so offt es seinem Reuter gefiel. Alsobald nannte ich diese Art des Tummelns ‚deß Bonniten Sarabanda‘, weil ich solchen von keinem Pferd zuvor / als von diesem / und zwar wann Herr Pluvinel auf ihm saß / gesehen hatte.

In einer moderneren Ausdrucksweise liest sich das wie folgt:

Danach ritt er ihn wieder in Courbetten vorwärts, dann rückwärts, dann zur einen und dann zur anderen Seite sooft es ihm gefiel. Ich habe diese Bahnfigur hernach „Bonnites Sarabande“ (3) genannt, weil ich noch nie zuvor ein Pferd diese Bahnfigur habe machen sehen.

La Guérinière :

Außer den Curbetten auf Volten werden auch noch auf zwei andere Arten gemacht, nämlich das Kreuz in Curbetten und die Sarabande in Curbetten.Wenn man das Pferd lehren will, das Kreuz in Curbetten zu machen, so führt man es im spanischen Schritt auf einem Fußtritt auf eine gerade ungefähr viermal Pferdelänge lange Linie, lässt es sodann auf derselbigen Linie Rückwärtsrichten und reitet darauf wieder bis in die Mitte der geraden Linie vorwärts. Alsdann lässt man es ungefähr zweimal Pferdelänge seitwärts gegen den rechten Schenkel rechts traversieren und darauf wieder seitwärts zweimal Pferdelängen über die Mitte der geraden Linie gegen den linken SChnekel gehen – links traversieren – und kommt endlich wieder seitwärts gegen den rechten Schenkel in der Mitte der Linie, wo man es still hält und ihm schmeichelt. Wenn das Pferd auf diesen vier Linien, ohne mit der Kruppe auszufallen, vorwärts, zurück und seitwärts im spanischen Schritt zu gehen gelsernt hat, so lässt man es am Anfang, in der Mitte und am Ende jeder Linie eine Curbette machen und wenn es sich nach mehreren Übungen nicht widersetzt, so ,läßt man es das ganze Kreuz in Curbetten machen. Wenn man es beim Rückwärtsrichten sich heben lässt. So muss der Oberleib des Reiters nicht zurück, sondern gerade und selbst unmerklich etwas vorwärts gehalten werden, damit die Kruppe mehr Freiheit bekomme. Wenn die Vorderfüße wieder auf die Erde fallen und nicht, wenn es noch in der Luft ist, muss man ihm helfen und es mit der Hand anhalten, damit es einen Schritt ohne sich zu heben zurückgehe. Darauf lässt man es wieder eine Curbette machen und so wechselweise. In der Sarabande in Curbetten macht man zwei Curbetten vorwärts, ebenso viele zurück, zwei rechts und zwei links zur Seite und so ohne Unterschied nacheinander fort, vorwärts, seitwärts und zurück, ohne dass man, wie in den Curbetten im Kreuz, ein Ebenmaß des Bodens beobachtet. Man lässt es in einem Atem so viele machen, als seine Anlage und seine Kräfte erlauben. Ein Reiter muss aber seine Hilfen gut in seiner Gewalt haben und das Pferd muss wohl abgerichtet und sehr nervig sein, wenn die beiden Schulen der Curbetten in das Kreuz und in der Sarabande, die aber auch in unsren Zeiten verloren gegangen sind, mit dem erforderlichen Anstand der nötigen Freiheit gemacht werden sollen.

Quellen: wikipedia, Ecole de Cavallerie & http://www.berber.de/altereitmeister02.htm

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